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20. Oktober 2023

Leitfaden Sorghumhirse

Leitfaden Sorghumhirse


(Sorghum bicolor = Sorghum vulgare)


Andere Namen: Kultursorghum, Gemeine Mohrenhirse


Familie: Süßgräser (Poaceae)


Allgemeines:


Hirse ist eine Sammelbezeichnung für kleinfrüchtiges Spelzgetreide. Zu den Hirsen werden rund 12 Pflanzengattungen gezählt, die nur wenig Ähnlichkeit miteinander aufweisen.


Die derzeit in Deutschland verfügbaren Sorten von Sorghum sind ein- oder mehrschnittig und können unterschiedlichen Arten zugeordnet werden: z.B. Mohrenhirse (Sorghum bicolor), Sudangras (Sorghum halepense var. sudanense) sowie Hybriden aus Mohrenhirsen und Sudangras. In der Gesamtheit können mit dem Begriff Sorghum-Arten alle Sorten angesprochen werden.


Sorghumhirsen besitzen große Körner und zeigen viele Gemeinsamkeiten mit der Kultur Mais. Auch die Inhaltsstoffe ähneln in vielen Eigenschaften dem Körnermais. Sorghum zählt wie Mais zu den C4 – Pflanzen.


Sorghumhirse wird meist in wärmeren Anbaulagen angebaut und weist keine Anfälligkeit gegenüber Schäden durch den Maiswurzelbohrer auf.


Die Anbaufläche in Deutschland in Reinsaat betrug 2022 etwa 11.200 ha.


Ursprünglich stammt Sorghum aus den nordöstlichen Savannengebieten Äquatorialafrikas.


Standortansprüche:


Hirsen sind trockenheitsverträgliche Kulturpflanzen. Sie stellen jedoch hohe Temperaturansprüche. Sorghum ist – wie auch Mais – eine frostempfindliche Kultur. Somit eignen sich besonders leicht erwärmbare humose bzw. lehmige Sandböden. Hinsichtlich der


Vorfrucht sind die Hirsesorten nicht wählerisch; Getreide und Hackfrüchte eignen sich als Vorfrüchte.


Hirsen gelten außerdem als selbstverträglich, ein Fruchtwechsel ist auf Grund zunehmender Verunkrautungsgefahr jedoch von Vorteil. Auf guten Standorten mit hohen Wärmesummen und sicherer Wasserversorgung ist Mais in der Regel die wirtschaftlichere Kultur.


Anbau:


Sorghumhirse sollte nicht zu früh angebaut werden. Die Bodentemperatur sollte mindestens 12 °C aufweisen; besser sind 14 °C. Dadurch erfolgt ein zügiges Auflaufen. Je nach Standort ist dies ab Mitte Mai der Fall. Spätere Aussaattermine sind wegen der kürzeren Vegetation, der oft mangelnden Bodenfeuchtigkeit und der späteren Ernte problematisch (prinzipiell aber möglich).


Sorghumhirse entwickelt sich anfangs langsam; später wächst sie rasch. Durch niedrige Temperaturen zur Blüte (etwa 8 °C) kann die Pollenbildung stark reduziert werden und Sterilitäten an der Rispe auftreten. Im Extremfall kann die Einkörnung sogar gänzlich ausbleiben.


Die Aussaat kann als Einzelkorn- oder Drillsaat bei 2 bis 4 cm Ablagetiefe (je nach Bodenfeuchte) erfolgen. Das Saatbett muss ähnlich wie bei Rüben fein hergerichtet sein. Ziel ist ein Bestand mit 25 bis 40 Pflanzen/m² bei Körnersorghum und mit 20 bis 25 Pflanzen/m² bei großrahmigen Biomassehirsen. Bei einem Tausendkorngewicht von 25 bis 35 g ergibt sich somit eine Aussaatstärke von etwa 10 bis 15 kg/ha. Die höhere Pflanzenzahl ist jeweils für spätere und ungünstigere Verhältnisse zu wählen. Kalte Temperaturen führen zur Verzögerung des Auflaufens und auch zu geringeren Feldaufgängen.


Wird Sorghumhirse mit gängigen Einzelkornsägeräten für Mais oder Rüben gesät, kann der Reihenabstand von 40 bis 75 cm je nach technischer Ausstattung variiert werden. Ganz wichtig bei der Aussaatstärke ist die Verteilung in der Reihe! Auf keinen Fall dürfen die Pflanzen zu dicht stehen. Dies gilt vor allem für massigen Einzelpflanzentypen.


Sorghumhirse
Keimfähige Körner/m²25 – 45
TKG in g25 – 39
Saatmenge in kg/ha8 – 16
Reihenweite in cm40 – 70
Ablage in der Reihe in cm4 – 7
Saattiefe in cm2 – 4
SaatzeitMitte/Ende April bis Mitte/Ende Mai

Sorten:


Die Sortenvielfalt der Hirsen ist beträchtlich. Einerseits gibt es kurzstrohige Hirsetypen (z.B.: Körnersorghum) zur Körnerernte andererseits werden auch massenwüchsige Hirsesorten (z.B.: Silosorghum etc.) für Biogasnutzung bzw. Futterzwecke angeboten. Diese können bis zu 4 m Höhe erreichen und werden als Ganzpflanze geerntet.


Kurze Sorghumhirsen erreichen oft nur Wuchshöhen von etwas über einen Meter. Diese sind typische Druschfrüchte.


Düngung:


Der Nährstoffbedarf ist dem des Maises sehr ähnlich. Die Düngerbemessung sollte sich daher nach dem Bodenvorrat (Bodenuntersuchung) und den zu erwartenden Erträgen richten. Eine mittlere Maisdüngung (120 kg N/ha, 85 kg P2O5/ha, 180 K2O kg/ha) sichert gute Erträge. 150 kg N/ha sollten nicht überschritten werden, andernfalls steigt die Lagergefahr des Sorghums.


Krankheiten, Schädlinge und Unkräuter:


Auf Grund der langsameren Jugendentwicklung besitzen Sorghumhirsen eine geringe Konkurrenzfähigkeit gegenüber Unkräutern. Wenn die Aussaat mit entsprechenden Reihenabständen erfolgt, so kann Sorghum mit den gängigen Mais- oder Rübenhackgeräten gehackt werden.


Sommerannuelle Unkräuter wie Gänsefuß, Kamille, Franzosenkraut und Knöterich-Arten können zu einer Beeinträchtigung der Kultur führen und einen Herbizideinsatz notwendig machen.


Ein Auftreten von Mehltau, Rost und Beulenbrand wird bei Hirsen vereinzelt festgestellt; der Befall liegt aber deutlich unter den jeweiligen Schadensschwellen.


Sorghumhirse ist keine Wirtspflanze für den Maiswurzelbohrer, ein Befall durch den Maiszünsler ist allerdings möglich.


Quelle: LfL, Stand März 2023



Herbizidmaßnahmen mit Bodenwirkung:


Spectrum (1,4 l/ha), Gardo Gold (2,0 – 4,0 l/ha), Stomp Aqua (2,5 l/ha)


Herbizidmaßnahmen mit Blattwirkung:


Arrat + Dash (0,2 kg/ha + 1,0 l/ha), Mais Banvel WG (0,5 kg/ha)


Herbizidmaßnahmen im Nachauflauf sind erst ab Erreichen des 3-Blattstadiums zu empfehlen. Präparate wie Arrat, Gardo Gold oder Spectrum sind im Mais und Sorghum zugelassen (Stand 2023).



Ernte, Erträge und Verwendung:


Die Ernte von Körnersorghumsorten erfolgt mittels Mähdrescher (Getreideausrüstung) je nach Jahreswitterung Anfang Oktober bis Mitte November. Vielerorts wird der Erntetermin durch Frost vorgegeben, da dann die Pflanze abstirbt.


Treten Minustemperaturen schon zu einem früheren Entwicklungsstadium auf, ist mit einem verringerten Tausendkorngewicht und somit mit Ertragsverlusten zu rechnen. Versuche zeigen, dass Kornerträge von 6 bis 10 t/ha (14 % Kornfeuchte) durchaus möglich sind. Die Erntefeuchte beträgt bei gängigem Sortenmaterial 20 bis 26 %.


Körnersorghum hat mit 85 % für Wiederkäuer und mit 90 % für Schweine eine relativ hohe Verdaulichkeit der organischen Masse. Mit einem Rohproteingehalt von rund 110 g und einem Energiegehalt von rund 8,3 MJ NEL (Milchrind) bzw. rund 13,0 MJ ME (Mastrind) sowie 13,9 MJ ME (Schwein) je kg Trockenmasse ist diese Körnerfrucht sehr gut mit dem


Futterwert von Körnermais vergleichbar und dementsprechend auch einsetzbar. Für die Fütterung von Wiederkäuern ist die geringe Proteinabbaurate im Pansen von Sorghum hervorzuheben. Mit einem Anteil von 50 % an unabbaubarem Protein ist Sorghum auch aus dieser Sicht mit Körnermais vergleichbar und insbesondere in der Fütterung hochleistender Milchrinder mit Grünlandfutter als Grundfutterbasis gut einsetzbar.


Bezüglich der wichtigsten essentiellen Aminosäuren für das Schwein weist Körnersorghum für Lysin, Methionin und Cystin und Threonin ebenfalls vergleichbare Werte wie Körnermais auf. Der Tryptophangehalt ist in Sorghumhirsen in höherer Konzentration enthalten als in Körnermais. Mit durchschnittlichen Gehalten von 0,2 g Kalzium und 3,5 g Phosphor ist Körner-Sorghum, wie alle Getreidearten, sehr arm an Kalzium und reich an Phosphor.


Für Sorghumhirse orientieren sich die Preise zumeist am Mais.


Wird Silosorghum geerntet, so erfolgt die Ernte bereits im September. Im Vergleich zum Silomais sollten Silosorghum etwas später geerntet werden, um höhere Trockensubstanzen zu erreichen. Ziel bei Silohirsen muss es sein, einen Trockensubstanzgehalt von mindestens 30 % zu erreichen.


Trockenmasseerträge bis zu 15 t/ha können erreicht werden. In sehr trockenen Jahren konnte Silosorghum ertraglich durchaus mit dem Mais mithalten; in feuchteren Jahren wurden die Kornerträge von Mais nicht erreicht.


Silosorghum kann bezüglich seiner Inhaltsstoffe mit Maissilage nicht konkurrieren. Der Grund liegt in den beachtlichen Wuchshöhen (bis 4 m), die ein entsprechendes Stützgewebe (Lignin, Cellulose…) erfordern. Der hohe Gehalt an Gerüstsubstanzen (insbesondere Lignin) vermindert die Verdaulichkeit und somit den Futterwert dieser Silage. Das was der Hirse gegenüber dem Mais fehlt ist der energiereiche Kolben.



Der Vergleich von Silosorghum zu Silomais zeigt folgende Laborergebnisse:

SilosorghumSilomais
Probenanzahl1121
Trockensubstanz %23,632,1
Rohprotein g/kg TS8669
Rohfett g/kg TS1429
Rohfaser g/kg TS336202
Rohasche f/kg TS6833
NFE g/kg TS501667
Verdaulichkeit %61,875,2

Quelle: Inhaltsstoffe Silosorghum und Silomais (jeweils Durchschnitt aller gemessenen Werte), Analyse: Futtermittellabor Rosenau


Silosorghum ist für die Biogaserzeugung geeignet. Die Methanausbeute je kg organischer Trockensubstanz liegt jedoch ebenfalls unter der von Maissilage.



Sorghum im Gemenge mit Mais


Die GAP 2023 beinhaltet die GLÖZ 7 (Fruchtwechsel) – Fruchtwechsel oder Fruchtartendiversifizierung. Ab 2024 ist der sogenannte Fruchtwechsel verpflichtend. Fruchtwechsel bedeutet grundsätzlich, dass im Antragsjahr eine andere Hauptkultur als im


Vorjahr auf der Fläche vorhanden sein muss. Hauptkultur ist die Kultur, die in den sechs Wochen vom 1. Juni bis zum 15. Juli des Jahres am längsten auf der Fläche steht. Ein Fruchtwechsel ist es auch, wenn von der Winterkultur, z.B. Winterweizen, zur Sommerkultur einer Gattung, im Beispiel Sommerweizen, gewechselt wird. Auch der Wechsel von einer Reinkultur, z.B. Mais, zu einer Mischkultur, z.B. Mais/Stangenbohnen, Mais/Sorghum wird als Fruchtwechsel anerkannt. Dabei muss allerdings die zweite Kultur mit einem Anteil von mind. 25 % tatsächlich auf der Fläche stehen. Ein entsprechender Anteil in der Saatgutmischung allein genügt nicht.


Im Mischanbau bietet Sorghum mit Mais mehr Anbausicherheit in trockenen Regionen. Der Mischungspartner Mais sorgt für hohe Gesamttrockenmasseerträge, sowie als Stärke- und Energielieferant. Sorghum sorgt für Ertragssicherung. Die Deutsche Saatgut pilliert Sorghum als Mischungspartner, sodass dieser mit dem Mais zusammen ausgebracht werden kann.


Das Mischungsverhältnis auf dem Feld sollte 80.000 Pflanzen Mais und 40.000 Pflanzen Sorghum je ha betragen. Eine Einheit Sorghum ist ausreichend für 1,25 ha. Beim Anbau ist darauf zu achten, dass beim Feldaufgang mindestens 25 % des Mischungspartners im Feld stehen.


Kurz gelesen

  • Sorghum ist ein idealer Mischungspartner beim Maisanbau
  • Aussaat ab 12 °C Bodentemperatur
  • Sorghum trägt zur Bodenverbesserung bei
  • Erhöhung der Biodiversität
  • Benötigt weniger Wasser als Mais
  • Bietet Ertragssicherheit
  • Für die Fütterung oder Biogasproduktion geeignet
  • Herbizidmaßnahmen im Nachauflauf sind möglich
  • Sorghum mit Mais im Gemenge erfüllt GLÖZ 7
    • Feldaufgang ist entscheidend
    • Aussaatstärke 2/3 Mais, 1/3 Sorghum
    • Deutsche Saatgut bietet pilliertes Sorghum als Mischungspartner an

Sprechen Sie Ihre SAATGUT-EXPERTEN an.
Wir beraten Sie gerne rund um den Anbau von Sorghum.



Quelle: NÖ. Landes-Landwirtschaftskammer, Feb. 2020


Quelle: LfL, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Unkrautbekämpfung in Sorghum-Hirsen,März 2020

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