Expertenwissen
Körnermais
Nutzungsunterschiede
Bei der Nutzung von Mais als Körnermais gibt es verschiedene Verwertungsrichtungen. Hier unterscheiden sich die Nutzung als Feuchtmais mit Konservierungsverfahren z. B. Lieschkolbenschrot (LKS = Lieschblätter + Spindel + Körner), Corn-Cob-Mix (Spindel + Maiskörner = CCM) oder feuchtes Korn (Feuchtmais) sowie die Verwendung als Körnermais mit Trocknung. Bei zuletzt genannter Nutzung wäre es von Vorteil, wenn eine Vermarktung gesichert ist.
Standortwahl
Mais ist eine wärmeliebende Kulturart. Bei der Nutzung als Körnermais benötigt die Pflanze eine ausreichend hohe Temperatursumme und eine längere Vegetationszeit. Der Boden sollte möglichst eine gute Wasserhaltefähigkeit besitzen, aber auch gut befahrbar sein zum Zeitpunkt der Ernte.
Weniger gut geeignet sind Grenzstandorte für den Maisanbau, z. B. Höhenlagen oder kühle, feuchte Küstenregionen. Auch Böden mit Staunässe oder Marschböden (hohe Nässe im Boden bei der Ernte) sind weniger gut geeignet.
Kriterien der Sortenwahl
Kornertrag ist das Kriterium der Sortenwahl, mit möglichst niedriger Kornfeuchte zum Zeitpunkt der Ernte.
Abreife gewährleisten
Ziel sollte sein, mindestens eine Kornfeuchte von maximal 30 % zu erreichen; besser wäre eine noch niedrigere Kornfeuchte.
Nahezu 1/3 der Kosten bei Körnermais machen die Trocknungskosten aus. Daher ist eine vom Standort abhängige Wahl einer frühabreifenden Sorte wichtig.
Eine gute Kornabreife wird durch die Wahl einer Sorte mit niedriger Kornreifezahl gewährleistet. Im Vergleich zu Silomais wäre eine frühere Reifezahl von 10 und mehr Punkten als ortsüblich sinnvoll. Insbesondere in Jahren mit Bedingungen langsamer Abreife erhöhen frühreifende Sorten die Anbausicherheit.
Auch wird durch eine frühere Ernte von Körnermais ein rechtzeitiger Anbau der Nachfolgefruchtart gewährleistet.
Das höhere Ertragspotenzial der später abreifenden Sorten kann für die Nutzung als Feuchtmais genutzt werden. Würden diese Sorten als Körnermais vermarktet werden, könnte durch höhere Restfeuchte und Trocknungskosten sowie höherem Schwundfaktor die Wirtschaftlichkeit des Anbaus reduziert werden.
Faktoren, die eine zügige Reife unterstützen, sind Abreife der Lieschblätter sowie die Dicke der Spindel.
Abreife der Lieschblätter
Lieschblätter umhüllen den Kolben. Damit die Feuchtigkeit schneller aus dem Korn abgegeben werden kann, ist eine schnelle und vollständige Abreife der Lieschblätter von Vorteil. Diese Abreife sollte schneller erfolgen als die Abreife der Gesamtpflanze. Die Lieschblätter sitzen dann locker um den Kolben herum und durch Wind wird die Feuchtigkeit schneller abgegeben; das Maiskorn reift schneller ab.
Durch das trockenere Mikroklima am Kolben ist das Risiko eines Befalls mit Kolbenfusarium geringer.
Enganliegende Lieschblätter mit festem Sitz am Kolben können eher zu Nachteilen führen; einzige Ausnahme wären sehr dünne Lieschblätter.
Vorteile einer zügigen Abreife der Lieschblätter:
Dicke der Spindel
Auf der Spindel sitzen die Maiskörner.
„Die Spindel ist wie ein Schwamm, der die Feuchtigkeit festhält.“ Diese Feuchtigkeit muss erst durch das Maiskorn hindurchwandern, damit das Korn selbst auch Feuchtigkeit abgeben und somit abreifen kann.
Daher ist eine dünne Spindel von besonderem Vorteil. Es muss weniger Feuchtigkeit durch das Korn wandern; die Kornabreife ist zügig und die Druscheigenschaft wird durch ein reiferes Korn gefördert.Auf der Spindel sitzen die Maiskörner.
Gute Druschfähigkeit
Auf eine gute Druschfähigkeit muss geachtet werden. Das bedeutet, die Maiskörner lösen sich bei Reife gut von der Spindel und beim Drusch entsteht ein nur sehr geringer Bruchkornanteil. Insbesondere beim letzten Punkt sind hartmaisähnliche Sorten durch die glasige Struktur am Kornrücken im Vorteil.
Zahnmais oder Hartmais
Beide Korntypen haben eine zeitlich unterschiedliche Wasserabgabe durch das Korn, was auch einen direkten Einfluss auf die Trocknungskosten haben kann.
Die Trocknung von Zahnmais (Dent) und Hartmais (Flint) unterscheidet sich hauptsächlich durch die Geschwindigkeit der Wasserabgabe. Der reine Zahnmais ist in der Regel kostengünstiger zu trocknen, da er ab einem bestimmten Zeitpunkt das Wasser schneller abgibt, während die Kornfeuchte beim reinen Hartmais kontinuierlich sinkt. Ein guter Kompromiss wird mit Maissorten erzielt, die beide Korntypen vereinen.
Fazit: Auf Standorten, die eine sichere Ausreife garantieren und auf denen späte Erntetermine möglich sind, kann reiner Zahnmais durch die geringeren Trocknungskosten wirtschaftliche Vorteile bringen, vorausgesetzt, die Kornfeuchte ist vor der Ernte deutlich unter 30 % gesunken. Reiner Hartmais oder Kornzwischentypen sind hingegen zu bevorzugen, wenn die Erntebedingungen für Körnermais eher unsicher sind oder durch kalte, schwere Böden die Anfangsentwicklung von Mais beeinflusst wird.
Bereinigte Marktleistung
Die bereinigte Marktleistung gibt Auskunft über die ökonomische Leistungsfähigkeit, da neben dem Ertrag auch die Kornfeuchte und somit die Trocknungskosten berücksichtigt werden. Für die Berechnung wird vom Anfangsgewicht (feuchte Ware) der Besatz (Bruchkorn, Staub, …) abgezogen. Als nächster Schritt wird von der Anfangsfeuchte die Endfeuchte in Abzug gebracht. Durch das Trocknen gibt es einen Schwund, der als Wert mit dem Ergebnis multipliziert wird. Dieses Gewicht kann dann mit dem Marktpreis multipliziert werden.
Silomais als Körnermais nutzen
Die Nutzungsrichtung ist ein Zuchtziel. Daher wird Silomais mehr auf Restpflanzenverdaulichkeit mit hohem Kornanteil gezüchtet, Körnermais auf Standfestigkeit. Sie wird erreicht durch eine schnellere und stärkere Lignineinlagerung im Stängel.
Auch wird ein Augenmerk auf die Druschfähigkeit gelegt. Daraus folgt: Ein reiner Silomais eignet sich nicht für die Nutzung als Körnermais. Allerdings wäre das bei einer Doppelnutzungssorte möglich. Hier könnte durch eine länger grün bleibende Restpflanze (stay green) und frühere Kornreife ein Kompromiss genutzt werden.
Auch wäre es möglich, sich erst zum Zeitpunkt der Siloreife für eine Nutzungsrichtung zu entscheiden. Mögliche Aspekte wie Entwicklung des Bestandes in der Vegetationszeit, Abschätzung des Futterbedarfs sowie Preisbildung können das Anbaurisiko minimieren.
Welche Sorten eignen sich zur Nutzung als Körnermais?
Körnermais: TARRACO, KINGSTONE
Doppelnutzung mit Stay green: AROLDO, ARISONNO,
TOPOLINO, KRISTALLO, ATLANTICO, ARTEGO,
JAMILO (in besonders günstigen Lagen)
Sehr frühe Reife: ABRISSE, PUEBLO
Diese drei Eigenschaften wirken stark zusammen
Körnermais ist besonders sinnvoll, wenn
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